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Die Angezählte
Katherina Reiche hat den Kabinettsumbau politisch überlebt. Doch Zweifel an ihrem Vorgehen bleiben. Der Druck ist auch auf ihrer Sommerreise spürbar.
Published Friday, 31 July 2026 at 03:55
BERLIN – Anmerken lässt sich Katherina Reiche die Gerüchte um ihre Person an diesem Montag in Baden-Württemberg nicht. Sie ist zu Besuch bei den Auszubildenden und Studenten des Unternehmens Trumpf, scheint gut gelaunt zu sein, lächelt viel. Dabei hat Reiche kurz zuvor Gitta Connemann, ihre wichtigste Staatssekretärin, verloren. Der Termin in Ditzingen geht deshalb rund eine Stunde später los als geplant. Reiche war digital zugeschaltet im CDU-Vorstand, wo Connemanns Wechsel verkündet wurde. Nun steht Reiche gut zehn Meter vor drei jungen Auszubildenden und Studenten des Technologiekonzerns im Ausbildungszentrum, einem modernen Oktagon-Gebäude aus viel Holz, Rohbeton und Glasfassade. Die jungen Menschen erklären ihr, wie sie die Logistik von Trumpf in einem internen Wettbewerb automatisiert haben. Dafür hätten sie auch bereitwillig bis in die Abendstunden beisammen gesessen, berichten die Azubis, freiwillig Überstunden gemacht. „Und Sie leben noch“, ruft ihnen Reiche mit einem Lachen zu. „Je näher man Berlin kommt, desto mehr nimmt der Glaube daran ab, dass das geht.“ Umstrittene Persönlichkeit Es sind genau diese Aussagen, die Reiche zu einer umstrittenen Politikerin gemacht haben. Vielleicht noch mehr als ihre konkreten Gesetzesvorhaben. Die einen feiern sie für ihre Direktheit, sehen in ihr eine Ordoliberale, die nach dem Grünen Robert Habeck im Wirtschaftsministerium aufräumt und endlich vieles ausspricht, was zuletzt keinen politischen Raum hatte. Andere werfen Reiche vor, sich vor allem bei Themen aus der Deckung zu wagen, die nicht in ihr Ressort gehören, etwa bei Rentenfragen. Und dann gibt es noch den Dauervorwurf: Schlechte Personalführung. Sie gilt als fordernde Chefin, die Stimmung im Haus als angespannt bis unterkühlt. Frühere Wegbegleiter berichten dasselbe aus ihrer Zeit als Chefin von Westenergie. Connemann ist ein Verlust Auch mit Connemann war Reiche nicht besonders eng. Dennoch schwächt ihr Abgang das Haus. Mit Connemann hatte Reiche die einflussreiche MIT-Chefin der Union an ihrer Seite, die ihr automatisch mehr Gewicht verlieh. Als Connemann vom Kanzler gefragt wurde, ob sie ins Digitalministerium wechseln wolle, habe sie auf der Stelle zugesagt. Einzige Bedingung sei gewesen, den Titel der Mittelstandsbeauftragten mitzunehmen, der traditionell im Wirtschaftsministerium angesiedelt ist. Daran hänge kein Personal, keine Förderung, heißt es aus dem Haus. Allerdings fiel Reiche bisher nicht für ihren starken Einsatz für den Mittelstand auf. Damit hinterlässt Connemann eine Lücke. Zum Abschied am Mittwoch bekam Connemann von Reiche „eine kleine Aufmerksamkeit“ in Form einer braunen Geschenktüte, einen pink-lila Blumenstrauß und nette Worte. Reiche bedankte sich bei der „lieben Gitta“ für „die Freundschaft, die sich entwickelt hat“. Einen Clip vom Abschied postete das Ministerium bei Instagram. Der Neue gilt als großes CDU-Talent Mit Johannes Steiniger bekommt Reiche kein solches politisches Schwergewicht ins Haus. Steiniger war bisher agrarpolitischer Sprecher seiner Fraktion, fiel nicht mit Impulsen zur Wirtschaftspolitik auf. „Die Rolle als Vorsitzender der Landesgruppe RLP und als Generalsekretär der CDU Rheinland-Pfalz scheinen ihn eher qualifiziert zu haben“, kommentiert der grüne Rheinland-Pfälzer Julian Joswig auf X. „Johannes Steiniger ist eines der größten Talente der CDU. Er ist schon lange dabei, aber hat nie den schnellen Weg nach oben gesucht“, sagt jemand, der ihn gut kennt. Steiniger war 26 Jahre alt, als er 2013 in den Bundestag einzog. 13 Jahre dauerte es, bis der heute 39-Jährige in sein erstes Regierungsamt kam. Als Generalsekretär war Steiniger erfolgreich. Er schaffte es, die Union nach 35 Jahren wieder in die Mainzer Regierung zu führen. Das geht nicht ohne ein gehöriges Organisationstalent (das Connemann nicht unbedingt nachgesagt wird). Er sei „ein echtes Arbeitstier“ und erkenne, wo Probleme existieren und wie sie gelöst werden können, sagt jemand aus der Union. „Er kann Reiche d
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